Teatro Sant'Apollinare


Das Teatro Sant’Apollinare, auch bekannt als Teatro Sant’Aponal, war ein venezianisches Opernhaus, das in der Mitte des 17. Jahrhunderts aktiv war. Es befand sich im heutigen Corte Petriana in der Pfarrei Sant’Apollinare und erhielt seinen Namen nach der nahegelegenen Kirche, wie es in Venedig üblich war.
Das 1651 in einem bestehenden Wohngebäude gegründete Theater, das zuvor bereits für Aufführungen genutzt worden war, war von geringer Größe und lag außerhalb der wichtigsten kulturellen Zentren der Stadt. Dennoch verfügte es über eine technisch fortschrittliche Bühnenmaschinerie, die aufwendige Inszenierungen ermöglichte. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1661 wurden dort vor allem drammi per musica sowie andere Aufführungen präsentiert.
Gegründet und zunächst geleitet wurde das Theater von dem jungen Librettisten und Impresario Giovanni Faustini, der in Venedig bereits durch seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Francesco Cavalli bekannt war. Die Eröffnungssaison während des Karnevals 1651 begann mit L’Oristeo, mit Musik von Cavalli und einem Libretto von Faustini. Das Theater erregte rasch Aufmerksamkeit, nicht zuletzt aufgrund der bedeutenden Künstler und Förderer, darunter die venezianischen Adligen Alvise Duodo und Marc’Antonio Correr.
Der plötzliche Tod Faustinis im Februar 1651 setzte seinen Plänen ein Ende. Die Leitung wurde von seinem Bruder Marco Faustini übernommen, der den Betrieb fortführte und sich dabei häufig auf Cavalli als Hauptkomponisten stützte. Nach einer anfänglichen Phase der Unterverpachtung übernahm Marco Faustini 1654 die direkte Leitung und führte das Theater trotz wirtschaftlicher und rechtlicher Schwierigkeiten weiter.
1657 wurde das Theater an die Accademia degli Imperturbabili vermietet, die es als Sitz nutzte. Wenige Jahre später wurde beschlossen, das Theater abzubauen, ein Prozess, der vermutlich um 1661 abgeschlossen wurde, auch wenn bis kurz zuvor noch Aufführungen stattfanden. Zu den letzten belegten Produktionen zählen La Pazzia in trono, ovvero Caligola delirante (1660) sowie eine Wiederaufnahme von L’Eritrea von Cavalli (1661).
Nach seiner Schließung wurde das Gebäude mehrfach anderweitig genutzt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts diente das Erdgeschoss als Lager der Doganetta dell’Olio, und aus Sicherheitsgründen wurde eine Wiederaufnahme des Theaterbetriebs untersagt. Im Laufe der Zeit verschwand das Theater vollständig, und das Gebäude wurde wieder zu Wohnzwecken umgebaut.
Trotz seiner kurzen Existenz spielte das Teatro Sant’Apollinare eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der venezianischen Oper und trug maßgeblich zu deren Etablierung als öffentliche und kommerzielle Kunstform bei.